Faktengestütze Entscheidungen

Herzlich willkommen

zum kurzen Impuls „Daten sammeln, visualisieren und priorisieren mit einfachen Tools aus dem Qualitätsmanagement“

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In den nächsten ca. 45 Minuten erhältst du eine Einführung in die Thematik und lernst klassische Tools des Qualitätsmanagement kennen. Dies unterstützt dich dabei faktengestützt Entscheidungen treffen zu können. 

Einleitung

Das Sammeln, Visualisieren und Auswerten von Daten ist im betrieblichen Kontext essenziell. Egal ob Qualitätsmanagement oder strategische Entscheidung: Erst durch Daten werden Erfolge messbar und steuerbar. Die Basis hierzu bilden verlässliche, aktuelle und präzise Daten. Die systematische Auswertung von Daten ermöglicht es, Prozesse gezielt zu verbessern, Risiken zu reduzieren und fundierte Entscheidungen zu treffen. Durch anschauliche Visualisierungen werden komplexe Zusammenhänge verständlich und Entscheidungen transparenter. Überlasse auch DU den Erfolg des Unternehmens nicht dem Zufall!

Inhalt

Daten sammeln

In diesem Abschnitt lernst du das Qualitätsmanagement-Tool Fehlersammelkarte kennen. Erfahre wie du die einfache Strichliste nutzt und erweiteren kannst.

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Daten visualisieren

In diesem Abschnitt lernst du, wie deine zuvor gesammelten Daten einfach aufbereitet werden können.

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Priorisierung

In diesem Abschnitt lernst du deine visualisierten Daten nach Kriterien zu ordnen, um Prioritäten setzen zu können

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Übungsmaterial

In diesem Abschnitt stellen wir dir Übungsunterlagen zur Verfügung

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Daten sammeln

In diesem Abschnitt zeigen wir die, wie sich attributive Daten einfach sammeln lassen. Hierzu wird das einfache Qualitätswerkzeug der Sammlkarte angewandt. Eine geläufige Verwendung findet dieses Werkzeug beim Sammeln von Fehlern. Im Beispiel wird betrachtet welche Ausprägungen (Fehlerart) das Merkmal "Fehler" annehmen kann.

Mit der Sammelkarte wird nun systematisch die Häufigkeit der Fehlerarten ermittelt. Das Vorgehen lässt sich jedoch ebenso auf andere beschreibende Merkmale übertragen. Diie Sammelkarte ist eine einfache Möglichkeit der Datenerfassung und wird als Strichliste geführt.

Aufbau und Funktion

  • Klassische Darstellung in tabellarischer Form mit Aufzählung der Ausprägungen eines Merkmals, im Beispiel die verschiedenen Fehlerarten.
  • Jedes Auftreten eines Fehlers wird mit einem Strich (|||) in der entsprechenden Spalte der Fehlerart vermerkt.
  • Häufig werden Kontextinformationen ergänzt, z.B. Erfassungszeitraum, Schicht, Bauteil.
  • Gesamtzahl der Fehler pro Art wird ermittelt, was die Häufigkeit sichtbar macht.


Hinweis

  • Alle bekannten Fehlerarten aufführen.
  • Raum für sonstige bzw. bisher vielleicht noch nicht aufgetretene Fehler lassen.
  • Stichprobenumfang muss festegelgt sein.

Alternativ oder ergänzend dazu bietet sicheine einfache visuelle Unterstützung der Sammelkarte an. Hier kann z.B. schematisch das Bauteil abgebildet sein. Somit lassen sich bereits bei der Sammlung der Daten erste ortsbezogene Trends erkennen.

Infografik eines Bauteils in isometrischer Darstellung. Mehrere orangefarbene Kreise, Dreiecke und Sterne markieren verschiedene Fehlstellen auf der Oberfläche und an den Kanten. Eine Legende unten erklärt die Symbole: Dreieck steht für Kratzer, Stern für Delle, Kreis für Verschmutzung. Am oberen Rand stehen Artikelnummer und Datum. Rechts unten ist der Name des Prüfers angegeben.

Daten visualisieren

In diesem Abschnitt zeigen wir dir, wie du deine gesammelten Daten einfach visualisieren kannst. Dazu nutzen wir eine übliche Darstellung der Häufigkeitsverteilung - ein Histogramm. Hierbei wird die zuvor ermittelte Gesamtzahl je Fehlerart dargestellt.

Aufbau und Funktion

  • Auf der x-Achse (horizontal) werden die Merkmalsausprägungen dargestellt. Im Beispiel sind dies die zuvor festgelegten Fehlerarten.
  • Auf der y-Achse (vertikal) findet sich die absolute Häufigkeit, also die Gesamtzahl.
  • Die Höhe der Säulen gibt die Häufigkeit der Fehlerart.

 

Balkendiagramm mit Fehlerarten auf der x-Achse und Gesamtanzahl auf der y-Achse, die Balken zeigen Werte für Kratzer, Delle, Verschmutzung und Sonstige mit den Zahlen 10, 13, 9 und 3.


Hinweis

Sollte das betrachtete Merkmale keine diskreten Ausprägungen besitzen sondern fließend sein - wie z.B. beim Merkmal "Länge" - dann müssen die gesammelten Daten vor Erstellen des Histogramms zuerst in entsprechende Abschnitte (s.g. Klassen oder Intervalle) unterteilt werden. Die Klassen stellen später die Säulenbreite dar.

Priorisierung

Eine Priorisierung ist besonders relevant, wenn die Ausprägung eines Merkmals (z.B. Fehler) eine bestimmte Wirkung hat. Dies könnten beispielsweise die durch die jeweilige Fehlerart entstehenden Kosten sein. Der Volkswissenschaftler Vilfredo Pareto ist bekannt für sein Prinzip, nachdem etwa 80% einer Auswirkung von nur etwa 20% der Ursachen bewirkt wird.

Hieraus leitet sich das Qualitäswerkzeug Pareto-Analyse ab. Damit werden Daten nach einer gewählten Bedeutung geordnet, um durch Priorisierung einfacher Entscheidungen treffen zu können. Im nachfolgenden Beispiel wurde die zuvor verwendete Fehlersammelkarte noch um zwei weitere Fehlerarten ergänzt.

  • Eine Priorisierung erfolgt in der Regel anhand einer gewählten Auswirkung, im Beispiel sind dies die Fehlerkosten.
  • Statt sich auf den "teuersten" Einzelfehler zu stürzen, werden zunächst die Gesamtkosten je Fehlerart durch Multiplikation der Kosten pro Fehler mit der Fehleranzahl ermittelt.
  • Im blauen Feld sind die Gesamtkosten über alle Fehlerarten aufsummiert.

  • In diesem Schritt erfolgt zunächst eine Sortierung der Fehlerarten nach Gesamtkosten, wodurch  sich eine neue Reihenfolge der Fehlerarten ergibt.

 

Nun erfolgt die Berechnung, welchen Anteil die Gesamtkosten eines Fehlers an der Summe von 2127,25€ haben. Dazu wird nachfolgender Dreisatz angewandt:

Gesamtkosten in %=Gesamtkosten je FehlerartSumme Gesamtkosten in € (blaues Feld)*100%
  • Neben den Gesamtkosten je Fehlerart ist nun eine weitere Spalte (in %)
  • In der zusätzlichen Spalte wird ausgedrückt welchen Anteil die jeweilige Fehlerart an den Gesamtkosten aller Fehler hat, z.B. entsprechen die Montagefehler mit 678€ einem Anteil von 32% an den Gesamkostren von 2127,25€


Hinweis

Wenn du alle Gesamtkosten in % aufsummierst, muss der Wert 100% erreicht werden (orangenes Feld). Andernfalls hast du eine Fehlerart vergessen oder es liegt bei den einzelnen Fehlerarten ein Rechenfehler vor.

 

  • Nun erfolgt noch die Berechnung der relativen kumulierten Kosten. Hierbei werden die im vorherigen Schritt berechneten Gesamtkosten in % aufsummiert (letzte Spalte ganz rechts).
  • Ausgehend von der obersten Fehlerart "Elektrik" mit 50% Anteil an den Gesamtkosten wird jede weitere Fehlerart dazu addiert, im Beispiel ergeben die beiden Fehlerarten Elektrik und Montagefehler so einen Anteil von gemeinsam 82% an den Gesamtkosten von 2127,25€.


Hinweis

Mit der letzten Fehlerart muss der Wert 100% erreicht werden (orangenes Feld in der letzten Spalte). Andernfalls liegt bei den einzelnen Fehlerarten ein Rechenfehler vor.

Aus den in den vorherigen Schritten berechneten Daten wird nun ein Pareto-Diagramm erstellt.

  • Auf der x-Achse (horizontal) werden die Merkmalsausprägungen dargestellt. Im Beispiel sind dies die Fehlerarten. Hierbei werden die Fehlerarten bezogen auf ihre Gesamtkosten von links nach rechts in absteigender Reihenfolge angegeben
  • Auf der linken y-Achse (vertikal) befindet sich ein absoluter Wert, im Beispiel die Gesamtkosten. Die Höhe der hellblauen Säulen gibt die Gesamtkosten der Fehlerart wieder.
  • Nun wird die Grafik auf der rechten Seite um eine zweite y-Achse erweitert. Diese beginnt stets bei "Null" und endet bei 100%. 
  • Auf der zweiten y-Achse werden die kumulierten Kosten aufgetragen. Dazu wird am Ende (rechter Rand) einer jeden hellblauen Säule ein entsprechendes Symbol (Raute) gesetzt.

Balkendiagramm mit sechs blauen Säulen, die verschiedene Fehlerarten entlang der x-Achse darstellen: Elektrik, Montagefehler, Kratzer, Delle, Verschmutzung und Sonstiges. Die Höhe der Säulen zeigt die jeweiligen Gesamtkosten in Euro auf der linken y-Achse. Über den Säulen sind die genauen Kostenwerte in weißen Kästchen angegeben. Eine orangefarbene Linie mit markierten Punkten und Zahlen verläuft von links nach rechts und stellt die kumulierten Kosten in Prozent auf der rechten y-Achse dar. Die Linie steigt mit jedem Fehler an und erreicht bei der letzten Kategorie 100 Prozent.

Das Pareto-Diagramm aus dem Schritt zuvor zeigt bereits übersichtlich, welche Merkmalsausprägungen (Fehlerarten) welche Anteil an der Auswirkung (hier die Gesamtkosten) haben. Für die Priorisierung und Entscheidungsfindung lässt sich nun ein zusätzlicher Schritt durchführen - die so genannte ABC-Analyse. Bei dieser betriebswirtschafltichen Analyse werden die Ausprägungen des Merkmals in drei Bereiche (A, B, C) eingeteilt.

  • A steht für sehr wichtig (hoher Anteil am Gesamtwert),
  • B für wichtig (mittlerer Anteil) und
  • C für weniger wichtig (niedriger Anteil).

Die Dreiteilung erfolgt durch zwei zusätzliche horizontale Linien, die beginnend auf der rechten y-Achse für die kumulierten Kosten eingezeichnet werden:

  • bei 70%
  • bei ca. 90-95%

Nun werden die Schnittpunkte mit dem Verlauf der kumulierten Kosten im Diagramm auf die x-Achse mit den Fehlerarten verlängert und sofort wird sichtbar, welche Fehlerarten in einem priorisierten Bereich liegen.

Übungsmaterial

Hier findest du eine Übungsaufgabe, um den Inhalt der vorherigen Abschnitte direkt selbst ausprobieren zu können. Außerdem steht auch eine Lösung bereit.

 

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